MALEREI ALS EREIGNIS [PAINTING AS AN EVENT]

Der Begriff Malerei als Ereignis wurde von dem deutschen Kunsthistoriker Prof. Dr. Michael Klant gepraegt und bezeichnet die Sichtbarmachung des Entstehungsprozesses.
Der Ursprung geht auf Aussagen des Kritikers Harold Rosenberg in den fruehen 1950er Jahren zurück:
Painting as an event can be traced to a famous statement regarding "Action Painting" in the early 1950s, when critic Harold Rosenberg declared that "At a certain moment the canvas began to appear to one American painter after another as an arena in which to act . . . What was to go on the canvas was not a picture but an event."
Entnommen einem Artikel des Scarlets Web vom 16.08.2001 der University of Nebraska - Lincoln

 

Neben den Fotoserien sind es besonders die Filme, die über den Entstehungsprozess der Werke der einzelnen Kuenstler gedreht wurden. Sie lassen ihre Malerei zum Ereignis werden. Ausschnitte aus den Filmen sind auf der DVD Kunst in Bewegung unter Malerei als Ereignis zu sehen [herausgegeben von Michael Klant und verlegt von HatjeCantz].
Unter dem Begriff Malerei als Ereignis werden von Michael Klant 8 innovative Kuenstler mit unterschiedlichen kreativen Malprozessen zusammengeführt, die ihren Ursprung in dem (gestischen) Abstrakten Expressionismus, der Informellen Kunst und dem Neoexpressionismus haben. Diese 8 Kuenstler sind: JACKSON POLLOCK, PABLO PICASSO, KARL OTTO GOETZ, YVES KLEIN, NIKI DE SAINT PHALLE, BARBARA HEINISCH, MARIA LASSNIG und KEITH HARING.

 

Aktiv sind KARL OTTO GOETZ und BARBARA HEINISCH

KARL OTTO GOETZ, Jahrgang 1914 ist einer der bedeutenden Kuenstler der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er gilt als ein Hauptvertreter des "Deutschen Informel", der mit seiner Rakeltechnik die Aufloesung des klassischen Formprinzips einleitete.
Zum 100. Geburtstag: Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie, Berlin. Kurator Dr. Joachim Jaeger stellte die Ausstellung im Video vor.

BARBARA HEINISCH, Jahrgang 1944 gilt als Hauptvertreterin der "Transdisziplinaeren Prozessmalerei".
Bernhard Spiess, 2015: Transdisziplinaritaet in den Künsten wird für die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kunstgattungen, zwischen kuenstlerischen und wissenschaftlichen Disziplinen sowie in der Zusammenarbeit der Kuenste mit alltagspraktischen Zusammenhaengen verwendet ⊃1.
Als Transdisziplinaere Prozessmalerei (transdisciplinary process painting) kann somit die Zusammenarbeit zwischen den kuenstlerischen Disziplinen (z.B. Tanz, Musik und Malerei) in der expressiven, gestischen und figurativen Malerei bezeichnet werden. Die Kommunikation erfolgt durch unbewusste Kontakte, was sich ueber die Existenz von Spiegelneuronen im Gehirn erklaeren laesst ⊃2. Die Spiegelneuronen wurden 1995 von dem italienischen Neuropsychologen Prof. Dr. Giacomo Rizzoletti und seinem Team (Vittorio Gallese, Leonardo Fogassi und Luciano Fadiga) entdeckt. Eine besondere Auspraegung der Spiegelneuronen kann bei TaenzerInnen und MusikerInnen angenommen werden. Das trifft auch auf Barbara Heinisch zu (deren taenzerische und musikalische Begabung ausgebildet wurde), entsteht nach vorher abgesprochener Rahmen-Choreographie, ausgepraegter Phantasie waehrend der Prozessmalerei (d.h. im kreativen Prozess, einem vielfaeltig schoepferischen Prozess beim Erschaffen des Werkes), ein Gemaelde - ein einmaliges Kunstwerk. Dieser kreativ-kuenstlerische Prozess setzt schon eine vorher erworbene Fertigkeit voraus, d.h. ihr ist bereits eine jahrelange Bildung und besonderes handwerkliches Koennen vorausgegangen, die auch viele unterbewusste Vorgaenge in sich traegt (gespeicherte Informationsverknuepfungen im Gehirn). Bei einer Live-Veranstaltung erreicht die Malerin mit Ihrem Unbewussten nicht nur das Unbewusste ihrer Mitakteure, sondern auch das Unbewusste des Publikums ⊃2. Die Reaktion der Spiegelneuronen ist dann genauso, als waere die Handlung selbst durchgefuehrt worden ⊃3. Die Malerei wird zum einmaligen Ereignis - zuletzt von mir als ausverkaufte (!) Veranstaltung am 22. August 2014 im Museum Ratingen erlebt.

⊃1 Kuenstler, Leiter Forschungsschwerpunkt Transdisziplinaritaet Prof. Dr. Fabian Dombois, Zuericher Hochschule der Kuenste
⊃2 Psychotherapeutin Dr. Johanna Franz, Wien
⊃3 Neuropsychologe Prof. Dr. Giacomo Rizzoletti, Dept. Neuropsychologie, Universitaet Parma
Zum 70. Geburtstag: Ausstellung mit Prozessmalerei im Museum Ratingen . Filmemacher Kurt Koehler erstellte ein Video über die Prozessmalerei.

 

VIDEO (2-min-clip)

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