Wegbereiter von MALEREI ALS EREIGNIS

Die Foto-Dokumentation, die Hans Namuth 1950 von JACKSON POLLOCKs Arbeitsweise herstellte, machte erstmals den Entstehungsprozess sichtbar und verdeutlichte die aussergewoehnliche Kreativität des Kuenstlers. Diese Bilder von Pollocks Malerei wurden zum Ereignis, als sie 1951 in der Maiausgabe der Zeitschrift ARTnews als Illustrationen zu Robert Goodnoughs Artikel ''Pollock Paints a Picture'' abgedruckt wurden.
[wiedergegeben und kommentiert von Monika Wagener unter "Medien. Der kreative Akt als oeffentliches Ereignis" in ''Topos Atelier: Werkstatt und Wissensform'', Hrsg. Michael Diers und Monika Wagener, Akademie Verlag, 2010, ISBN 978-3-05-004643-3, S. 51 f.]
Dazu schrieb Barbara Rose: „…Ploetzlich waren das Geheimnis und das Raetsel des Schoepfungsaktes…für alle sichtbar. Es war, als ob Stammesgeheimnisse zum ersten Mal gelueftet wuerden, als die breite Oeffentlichkeit zum Zeugen heiliger Riten wurde, zu denen sie zuvor nie zugelassen war…Namuths Bilder von Pollock in Aktion veraenderten die allgemeine Auffassung vom Kuenstler; sie haben aus diesem Grunde eine Bedeutung, die keine vorhergehende Dokumentation von einem Kuenstler jemals hatte. Die Konzentration auf die Taetigkeit – den Prozess des Kunstmachens – statt auf den Kuenstler aenderte den Gang der Kunstkritik und sogar der Kunstgeschichte…“.
[veroeffentlicht von Michael Klant in "Kuenstler bei der Arbeit – von Fotografen gesehen", Hrsg. Michael Klant, Cantz Verlag, 1995, ISBN 3-89322-693-1, S. 163]
Harold Rosenberg bezeichnete diese Malerei des amerikanischen Abstrakten Expressionisten als Action Painting. Jackson Pollock ist sein Hauptvertreter. Hans Namuths Bilder und die im selben Jahr gedrehten Filme wurden legendaer und waren massgeblich für die Begruendung vom Mythos Pollocks.

Auch PABLO PICASSO ließ sich bei der Arbeit filmen. Der franzoesische Filmregisseur Henri-Georges Clouzot, assistiert von Claude Renoir drehte 1955 den Film ''Le Mystère Picasso''. Picasso fuehrte in ihm seine virtuose Kreativitaet so eindrucksvoll vor, daß sich sein Ruf als Jahrhundertgenie weiter steigerte.
Harold Rosenberg stufte ein Gemälde von Picasso (Girl before a Mirror) - bereits 50 Jahre zuvor - als ein geeignetes Beipiel für painting as an event [Malerei als Ereignis] ein.

Mit eigenstaendigem kuenstlerischen Arbeitsfeld praesentierten danach weitere Kuenstler als Wegbereiter von Malerei als Ereignis nicht nur ihr Werk, sondern brachten den ''Prozess des Kunstmachens'' in die Oeffentlichkeit.
Die 1960 von YVES KLEIN entwickelte Anthropométrie mit Aktmodellen, die nackt bemalt mit blauer Farbe, sich an der Leinwand abdrueckten, und das von BARBARA HEINISCH ab 1975 geschaffene eigene Arbeitsfeld, Mal-Aktionen in der Form von "Malerei als lebendiger Prozess" im Dialog mit anderen Kuenstlern, sind diesem Begriff zugeordnet. Weitere Wegbereiter von Malerei als Ereignis sind KARL OTTO GOETZ mit seiner von ihm erfundenen Rakeltechnik, NIKI DE SAINT PHALLE mit ihrer Schiessbildtechnik, MARIA LASSNIG mit ihrer Malerei des Koerpergefuehls und KEITH HARING mit seinen Graffiti.
[Michael Klant (Hrsg.) zu "Malerei als Ereignis" in Grundkurs Kunst 4. Schroedel Verlag, 2004, ISBN 3-507-10013-4, S. 27 f.]

 

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