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Kuenstler unter Malerei als Ereignis

Für den Prozess des Kunstmachens zur Bilderstellung gibt es einige aussergewoehnliche kreative Ideen. Unter dem Begriff MALEREI ALS EREIGNIS wurden die wesentlichen 8 Kuenstler mit eigenen innovativen kuenstlerischen Positionen, der Einzigartigkeit ihres Gestaltungsprozesses zusammengefasst Sie wurden während iher Arbeit gefilmt.
Filmsequenzen dieser Kuenstler befinden sich auf der DVD KUNST IN BEWEGUNG , herausgegeben von Prof. Dr. Michael Klant und verlegt von HatjeCantz.
Die einzelen Kuenster sind:

JACKSON POLLOCK - ACTION PAINTING

*28. Januar 1912 - †11. August 1956
Jackson Pollocks "Blue poles" (Number 11, 1952) 1952
Jackson Pollock ist der Protagonist der Aktionsmalerei. Er legte die Leinwand auf den Boden, bewegte sich um sie, indem er die Farbe zunaechst unbewusst - dann im Werden eine Beziehung aufbauend - schuettet, fliessen oder tropfen laesst. Er ließ seinen aussergewoehnlichen kreativen Malakt als erster fotografieren und spaeter filmen. Somit liess sich erstmals der Entstehungsprozess am fertigen Bild nachvollziehen.
„Ploetzlich waren das Geheimnis und das Raetsel des Schoepfungsaktes für alle offen sichtbar“ schrieb Barbara Rose nach der Veroeffentlichung der Fotografien Hans Namuths von Jackson Pollock "Pollock Paints a Picture" im Kunstmagazin ARTnews im Mai 1951. Die erste Malerei als Ereignis ueberhaupt. [englische Entsprechung: Painting as an Event]

PABLO PICASSO - WIE VON ZAUBERHAND

*25. Oktober 1881 - †8. April 1973
Picasso und die Goetter (zum 90. Geburtstag)
1956 drehte Henri-Georges Clouzot den Film Le Mystere Picasso, der den Moment und das Mysterium des kreativen Schaffens dieses >Jahrhundertgenies< festhielt. Picasso malte und übermalte vor laufender Kamera 20 Kunstwerke.
Vor einem Gestell, bespannt mit einer farbdurchlaessigen Stoffbahn sitzend, die von hinten gefilmt wurde, entwickelte der Meister spontan kreative Bilderwelten, die sich mit Hilfe der Stop-Motion-Animation innerhalb kürzester Zeit vor dem Publikum grandios entfalteten. Neben dem schabenden und kratzenden Geräusch des unsichtbaren Kohlstiftes untermalte Musik in Allegorie zur Malerei die Szene. Wie sich das Kunstwerk innerhalb weniger Minuten vor den Augen des Betrachters in voller Pracht entfaltete, zeigte deutlich seinen eigenen Umgang mit dem Mythos Picasso. Den Motiven von Frauen, Stierkaempfern oder abstrakten Koerpern wurde wie von Geisterhand schoepferisches Leben eingehaucht.
Diese Szenen sind nach wie vor faszinierend. Es draengt sich der Eindruck auf, Picasso erschaffte diese Bilder und dessen Umgestaltung aus dem Nichts heraus.
Der Film ist ein zeitloses Kunstwerk, einer der beruehmtesten Dokumentarfilme über Kunst des 20. Jahrhunderts.

KARL OTTO GOETZ - BLITZSCHNELL RAKELN

*22. Februar 1914
Karl Otto Goetz wird 100: Der grosse Mann der deutschen Nachkriegskunst
Der Malakt mit der Rakel erfolgt in schnellen Bewegungen. Die Rakel besteht aus einem langstieligem Holzstueck, an dem in der Art eines Scheibenwischers eine Gummilippe befestigt ist.
Zunaechst wird im schnellen Arbeitsgang mit grossformatigen Pinseln meist duennfluessige Farbe auf die am Boden liegende Leinwand, die vorher mit Kleister bestrichen wurde, gesetzt, und anschliessend mit der Rakel in blitzschnellen gestischen Bewegungen informelle Strukturen erzeugt. Dabei bewegte er sich um die Leinwand. Die Kontraste zwischen Hell und Dunkel wurden anschliessend mit einem trockenen Pinsel gemildert, so, dass anschliessend alles zusammenhängend war. Es entstanden Bilder von ausserordentlicher Kraft und lebensbejahender Dynamik. Haeufig nahm er nur schwarze und weiße Farbe. Der Betrachter konnte den Prozess der Bilderstellung mit den wirbelnden, sich durchdringenden Pinselschwuengen besser nachvollziehen. Erstmals wandte er diese von ihm erfundene Rakeltechnik 1952 an

YVES KLEIN - ANTHROPOMETRIEN

*28. April 1928 - 6. Juni 1962
1958 The Void, Yves Klein - am 30. Geburtstag
Yves Klein schlug mit seinen Anthropometrien als einer der innovativsten Kuenstler eine Bruecke zwischen Druckgrafik und Aktionskunst. Er benutzte Aktmodelle als lebende Pinsel für die Erstellung seiner Monochromien.
Seine erste Anthropometrie-Vorfuehrung vor Zuschauern war 1960 in Paris. Drei Frauen, seine Aktmodelle, bedeckten sich - nach seinen Anweisungen – aus Eimern mit blauer Farbe. Anschliessend drueckten sie sich – von ihm dirigiert – an einer Papierwand ab. Er bewies dabei sein intuitives darstellerisches Moment mit zarter, sensibler Bildstruktur. Während der Vorfuehrung spielte ein Orchester (drei Geiger, drei Cellisten und drei Chorsaenger) ein von Yves Klein komponiertes Stück - die Monotone Symphonie – die nur aus einem einzigen Klang bestand.

NIKI DE SAINT PHALLE - SCHIESSBILDER

*29. Oktober 1930 - †21. Mai 2002
Niki de Saint Phalle (Film) - wikipedia
Die Idee zu den Schiessbildern kam ihr bei einem Besuch der Ausstellung „Comparaisons“ 1961 in Paris. Ein Relief von Niki de Saint Phalle „Portrait of my Lover“ hing dort. Es hatte eine Zielscheibe als Kopf. Daneben lagen Pfeile zum Werfen auf einem Tisch. Unweit davon hing ein Gipsrelief. Was waere, wenn das Bild bluten würde? Wenn hinter dem Gips Farbe waere?
Ihre Erinnerungen an ihre Jugend kamen hoch – sie war von ihrem Vater missbraucht worden – mit der Vision, ein Bild bluten zu lassen. Die Schiessbilder entstanden als ein Akt der Befreiung. Die Schiessbilder bestanden aus Gipsreliefs, in die an verschiedenen Stellen Farbbehaelter eingearbeitet waren. Mit Gewehren wurde so auf die Reliefs geschossen, dass die Farbbeutel zerstört wurden. Entweder schoss Niki de Saint Phalle selbst, oder sie ueberliess es den Betrachtern. Damit wurde sie über Nacht beruehmt. Sie schoss sich den Weg als Kuenstlerin buchstaeblich frei. Es war auch eine großartige Therapie fuer sie.

BARBARA HEINISCH - DIALOGMALEREI

*16. Juli 1944
Barbara Heinisch TV-Live-Kunst 1992
Malerei als Ereignis von Dr. Susanne Liesegang, 2012 | Painting as an Event
Die figürlichen Elemente des Expressionismus verbinden sich mit den Bewegungsspuren des Informel, wenn Barbara Heinisch ihre spontanen Pinselstriche auf die Leinwand wirft. Darin zeigen sich Gemeinsamkeiten zur Arbeitsweise einer Gruppe von Malerinnen und Malern, die Anfang der 1980er-Jahre als „Neue Wilde“ auf sich aufmerksam machten. Doch die Bilder von Barbara Heinisch entstehen nicht einfach vor der Leinwand, sondern im Dialog mit einem Aktmodell dahinter (und Musik), eine ganz eigene Kombination von Malerei und Performance - eine transdisziplinaere Prozess-Malerei.
Der Entwicklungsprozess der Dialogmalerei begann 1975 vom „Ersten Durchbruch“ über das „Blindportrait“ 1976 bis zur „Ersten Prozessmalerei“ - eine „Malerei als Ereignis“ - im Juli 1977. - Im Juli 2017 zeigte sie eine multi-Media Prozessmalerei in der Europäischen Kunstakademie Trier - zum 40. Jubiläum der Kunstakademie.

MARIA LASSNIG - KOERPERGEFUEHLSBILDER

*8. September 1919 - †6. Mai 2014
Maria Lassnig - Das neunte Jahrzehnt
Ihr großes Thema ist sie selbst. Sie malt, was sie fuehlt. Die Bilder „Koerpergefuehl“ und „Nabelselbstportrait“ von 1958 zeigen es.
Ihre Arbeitsmethode ist sehr eigen, eine selbstgefundene Malerei. Mal hockt sie auf der Leinwand und sah sich von der Leinwand aus. An einer anderen Stelle lag sie auf der Seite auf der Leinwand und malte diese Haltung mit Umrissstrichen. Weil das Aufspueren der gefuehlten Koerpersensationen und ihrer Orte, die man auf die Leinwand projizieren will, in ihrer Form schwierig genug ist, hat sie sich bei der Farbe am Anfang auf Monofarben beschraenkt, meistens ein einfaches Rot für die Umrisse. Schwerer sind die Koerpergefuehlsfarben zu erklaeren. Je nach subjektiver Empfindung sind die Kopf- und Koerperpartien unterschiedlich als einfache Farbflaechen ausgebildet. Es ist eine Malerei von physiologischen Empfindungen; sie verwirklicht innere Visionen ihrer selbst.

KEITH HARING - GRAFFITI

*4. Mai 1958 - †16. Februar 1990
1978 1. Einzelausstellung - Bio
Keith Haring begann 1980 die schwarz ueberklebten, nicht vermieteten Werbeflaechen in den U-Bahn-Schaechten mit Kreidefiguren zu bemalen. Weil er sich damit am Besitz anderer vergangen hatte, wurde er wiederholt festgenommen. Trotzdem erstellte er bis zu 40 Zeichnungen tagsueber vor Passanten, die ihn haeufig um eine Interpretation seiner Werke baten. Diese waren abstrakt, stark von Graffiti gepraegt. Bereits 1980 hatte er mit seinen Zeichnungen außerhalb der U-Bahn-Schaechte in Galerien von New York Erfolg. Sein bekanntestes Werk ist „Radiant Baby“, ein krabbelndes Baby mit einem Strahlenkranz in verschiedenen Farbkombinationen.
Sein Malstil war symbolhaft und klargegliedert, einfach aber aussagekraeftig. Er schaffte nicht nur einen neuen Stil zu etablieren, sondern sich mit seiner Kunst zu einem Teil der Trend setzenden High Society zu machen.